Behaartes Schaumkraut

Mittlerweile ist das Behaarte Schaumkraut eines meiner Lieblingskräuter, hatte ich doch vor 15 Jahren noch ein recht angespanntes Verhältnis zu diesem Kraut. Denn einst als neuer Hausbesitzer mit Garten musste ich natürlich regelmäßig zum Unkrautzupfen hinaus. Bei diesem fürchterlichen und gemeinen Unkraut war es nun wichtig (dachte ich als unkrautzupfender Gärtner), dass es unbedingt vor der Samenreife entfernt wurde. Denn sonst verbreiten sich ja die sehr weit springenden Samen so zahlreich, dass der ganze Garten von diesem Unkraut zu befallen und alles andere zu verdrängen drohte. Ja, genau so dachte ich einst.

Und wie entspannt schaue ich heute auf dieses Kraut. Denn ich staunte nicht schlecht, als ich in Guido Steffen Fleischhausers Buch "Essbare Wildpflanzen" las, dass genau dieses "Unkraut" einen ausgeprägten Kressegeschmack hat. Seitdem ich probierte, gehört es für mich aufgrund seines mildwürzigen Aromas zu den Highlights unter den Wildkräutern.
Eigentlich hätte ich es ahnen können, denn beim "zupfen" viel mir der würzige Senfgeruch eigentlich immer auf. Heute lasse ich sie, wo sie sind und ernte täglich dankbar die Blätter und Blüten. Habe ich dann mal ein Kraut versehentlich mit Wurzel erwischt, pflanze ich es sanft wieder in die Erde hinein.
Vor dem Winter zupfe ich tatsächlich noch einige Pflanzen, aber nur um sie in die abgeernteten und mittlerweile leeren Tomatenpflanzkübel auf der Terrasse zu setzen.
Dort gedeihen sie weiter und ich habe so Würzkraut im Winter ganz nah an der Küche.
Inzwischen habe ich durch beobachten gelernt, dass dieses Kraut bis zu 3 Generationen im Jahr hervorbringen kann. Es ist winterhart, Kälte macht ihr nichts aus, es gedeiht einfach weiter.



Sehr interessant sind auch die zahlreichen, teilweise viel bekannteren "Geschwister" des behaarten Schaumkrautes:
Ganz vorne die echte Brunnenkresse (Nasturtioum officinale), etwas schärfer im Geschmack. Das bittere Schaumkraut (Cardamine armara), nochmal ne Schippe schärfer.
Beide sind oft in Bachnähe anzutreffen, da sie Feuchtigkeit mit fließendem Gewässer lieben.
Ebenfalls feuchtigkeitsliebend, aber auf feuchte Wiesen beschränkt ist das Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis) mit seinen violetten bis lila Blüten, die im Mai manch eine Wiese wie "schaumbedeckt" aussehen lassen kann.
Weiterhin gibt es das Spring-Schaumkraut (Cardamine impatiens), welches eine stattliche Höhe (bis 85 cm) erreichen kann.
Beim Pilze suchen bringe ich mir häufig das Wald-Schaumkraut (Cardamine flexuosa) aus dem Wald mit.
Dachte anfangs, dass es das behaarte Schaumkraut sei, aber bei genauerer Betrachtung erkannte ich, dass es einige Stängelblätter mehr hatte, als das aus meinem Garten.
Im Buch "Was blüht denn da" (Autoren: Margot Spohn, Marianne Golte-Bechtle und Roland Spohn; erschienen im Kosmos-Verlag) las ich dann, dass die Art aus dem Spring-Schaumkraut und dem behaarten Schaumkraut entstanden ist, denn Wissenschaftler entdeckten im Erbgut 32 (statt 16) Chromosomen:
Die des Spring-Schaumkrautes und des Behaarten Schaumkrautes.

 

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